Dokument · 30. Dezember 1995

Koch und Bürgermeister

Koch und Bürgermeister

Bürgermeister

Geh, Koch, zurück ins ferne Land der Freien, verflossen sind drei Jahr’, denn nicht verfestigen darf sich dein Aufenthalt, so will es das Gesetz aus Bonn.

Koch

Treu hab gedient den Bürgern deiner Stadt ich, manch würzge Supp’ gekocht, gekettet fest an meinen Herd, mein Brot verdient und mit dem größern Teil des Lohnes gefüllt die Töpfe auch des Staats, den du regierst. Mein Herr hat Steuern dir gezahlt dank meiner Arbeit Tag für Tag, und krank war ich allein in großer Not.

10 000 Gäste wollen weiter bei mir essen – was sind sie wert dir? Und die vom Rheine, wenn sie denn kommen, lockt sie nicht gute Speise auch in deine Stadt? Schon sieben Jahr hat’s mit der Hauptstadt; ein guter Name braucht Zeit und Tat.

Hast du’s denn wohl bedacht: Verstößt du mich, verlierst du mehr als nur den einen, der liebend müht sich um Berlin, die liebe große gute Stadt.

·   ·   ·
Originalrückseite der historischen PostkarteOriginalvorderseite der historischen Postkarte

← Zurück zum Archiv